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MyMyMind

Warum dein Kopf Negatives lauter abspielt

Du hältst eine Präsentation. Neun Leute nicken, machen sich Notizen, eine lächelt dir sogar zu. Einer schaut die ganze Zeit aufs Handy. Auf dem Heimweg denkst du an den einen. Was hat ihn gelangweilt? War es der Mittelteil? Dieses eine Gesicht wiegt schwerer als neun andere, und das hat einen Grund. Der ist deutlich älter als du.

Neun Leute nicken, einer schaut aufs Handy. Im Kopf bleibt oft nur der eine.

Heute gibt es keine Säbelzahntiger mehr. Doch der Filter ist geblieben. Dein Gehirn scannt weiter bevorzugt nach Problemen, Fehlern und Risiken: im Meeting, im Chatverlauf, im Gesicht deines Gegenübers. Es will dich schützen. Es hält dich stattdessen in Alarmbereitschaft, die du gerade gar nicht brauchst.

Allein das zu wissen, hilft schon. Wenn das Handy-Gesicht abends wieder auftaucht, kannst du es einordnen: Da macht ein Steinzeit-Filter Überstunden. Über deine Präsentation sagt er wenig. Du bist nicht überempfindlich, dein Alarm ist nur veraltet.

Ein Anfang

„Denk doch mal positiv" bringt gegen diesen Filter wenig. Gegengewicht schon: Halte eine Woche lang jeden Abend kurz fest, was heute gegen deine größte Sorge gesprochen hat. Die neun, die genickt haben, zählen auch. Es geht dabei ums vollständige Hinschauen, schönreden musst du nichts. Das Negative sammelt dein Filter von allein, das Positive legst du eine Weile von Hand nach.

Vertiefung: Im Buch findest du den Negativitätsbias in Kapitel 1. Die ausführliche Anleitung zu diesem Gegengewicht steht dort als Technik #6, „Gegenbeweise festhalten".